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neugerriemschneider – präsentiert Thomas Bayrles ‘Haufen i.Fon’s’ zum Gallery Weekend

Wir freuen uns, Sie auf die erste Einzelausstellung von Thomas Bayrle in unserer Galerie aufmerksam zu machen, die vom 27. April bis zum 25. Mai 2019 zu sehen sein wird. Bayrle präsentiert neue Gemälde und ein Wandfries, die unterschiedliche Aspekte von Serialität miteinander in Beziehung setzen. Das Grundmodul aller Werke ist die schematische Zeichnung eines Smartphones. Aus dessen vielfacher Multiplikation und Variation setzen sich Bilder von Heuhaufen zusammen, die auf Claude Monets Les Meules à Giverny (1890-91) zurückgehen – eine der ersten seriellen Werkgruppen der modernen Kunstgeschichte.

Bayrle nutzt für seine neuen Arbeiten verschiedene künstlerische Techniken wie Stempel, Collage, Digitaldruck, Zeichnung und Malerei. Die wiederkehrenden Motive Heuhaufen und Smartphone verweisen auf ein Spannungsverhältnis zwischen Aufmerksamkeit und Ablenkung. Monets 25 Gemälde der Heuhaufen von Giverny basieren auf präziser Beobachtung ihres sich verändernden Erscheinungsbildes Stunde für Stunde, Tag für Tag, über einen Zeitraum von neun Monaten. Den Prozess des Malens unterstreicht Bayrle mit dem Motiv des en plein air vor der Leinwand stehenden Malers. „Ich benutze alle Arten von Reproduktion – und dennoch ist mir die einzigartige Realität jedes einzelnen Zentimeters sehr bewusst: Alles ist singulär! Es mag alles identisch aussehen – aber es ist nicht wirklich dasselbe!”, notierte Bayrle 2018. Das Smartphone ist ein Massenprodukt, dessen Omnipräsenz die Produktionszahlen des deutschen Wirtschafts¬wunders – ein wichtiger Bezugspunkt für Bayrles frühes Schaffen – um ein Vielfaches übersteigt. Dennoch erfährt jedes Smartphone in den Händen der Besitzer eine nutzerspezifische Individualisierung. Auch aufgrund der unendlichen Flut verfügbarer Information halten die Geräte im Alltag permanent Zerstreuungsmöglichkeiten bereit, die konträr zu jener minutiösen Aufmerksamkeit stehen, welche ein Künstler wie Monet seinen Motiven entgegenbrachte. Diese Gegenüberstellung bekräftigt Bayrles Interesse an einer „Kunst des Widerspruchs, nicht der Kritik“ (Christine Mehring). Aus seiner Sicht bergen Gegensätze gesellschaftspolitisches Potenzial: „Je mehr Widersprüche eine Gesellschaft verkraftet, desto ‚freier‘ ist sie.“
Thomas Bayrles (*1937, Berlin) wegweisender künstlerischer Ansatz, den er seit Anfang der 1960er Jahre konsequent weiterentwickelte, nahm die digitale Revolution und die mit ihr einhergehenden ästhetischen Verfahren lange vor der Etablierung des Computers vorweg. Bereits in seinen frühen Arbeiten untersuchte er Gemeinsamkeiten in den Bildwelten der westlichen Konsumkultur und des Kommunismus, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Als andauernde Inspiration dient ihm seine Arbeitserfahrung in einer Textilfabrik der 1950er Jahre und die dort verwendete Proto-Computertechnologie des Jacquard-Webstuhls. Später prägte seine Kunst die vorausblickende Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen wie Massenspektakel und -konsum. Als Professor an der Frankfurter Städelschule war Bayrle von 1975 bis 2005 Mentor und einflussreicher Impulsgeber für Generationen von Künstlern. 2018 ehrte ihn das New Museum in New York mit der bisher umfangreichsten Retrospektive seines über 50-jährigen Schaffens und unterstrich einmal mehr seinen Einfluss auf etablierte sowie junge Künstler.

Das Werk von Thomas Bayrle wurde international in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, darunter Präsentationen im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien (2017); Institute of Contemporary Art, Miami (2016); Lenbachhaus, München (2016); Institut d’art contemporain, Villeurbanne / Rhône-Alpes (2014); WIELS, Brüssel (2013); Madre – Museo d’Arte Contemporanea Donna Regina, Neapel (2013); Baltic Centre for Contemporary Art, Gateshead (2013); Museu d’Art Contemporani de Barcelona (2009); Musée d’art Moderne et Contemporain, Genf (2009); Museum Ludwig, Köln (2008) und Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2006). Zudem war Bayrle in zahlreichen bedeutenden Gruppenausstellungen der letzten 50 Jahre vertreten, hierunter die documenta (1964, 1977, 2012), Busan Biennale (2012), Gwangju Biennale (2006, 2010), Venedig Biennale (2003, 2009), Sydney Biennale (2008), Berlin Biennale (2006) sowie Guangzhou Triennale (2005, 2018). Thomas Bayrle erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter den Kölner Kunstpreis (2000) und den Prix Ars Electronica, Linz (1995).

http://www.neugerriemschneider.com

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