Museen

Museum Brandhorst – Cy Twombly, Pop Art und Minimal Art

Die spektakuläre Fassade des Museums Brandhorst ist ohne Zweifel ein echter Blickfang. Wer jedoch meint, damit schon das Beeindruckendste gesehen zu haben, täuscht sich. Denn im Inneren wartet eine herausragende Sammlung von Kunstwerken seit den 1960er Jahren auf die Besucherinnen und Besucher: Cy Twombly und Andy Warhol, Bruce Nauman und Sigmar Polke, Louise Lawler und Cady Noland, Martin Kippenberger und Jeff Koons sind nur einige der Künstlerinnen und Künstler, die es zu entdecken gilt.

DIE SAMMLUNG BRANDHORST

Das Museum Brandhorst ist das jüngste Museum im Gefüge der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Den Grundstock der Sammlung bilden Künstlerinnen und Künstler der Pop Art, der Minimal Art und der Arte Povera. Der herausfordernde Geist der Kunst der 1960er führte zu einer grundlegenden Infragestellung, was Kunst ist und sein kann: Die Populärkultur eroberte das Feld; völlig neue, bis dahin nicht als kunstwürdig empfundene Materialien oder Produktionsmethoden hielten Einzug in die Museen; die Kunst verließ die Galerien und wanderte stattdessen in den Stadtraum oder die Natur. In herausragenden Arbeiten von Joseph Beuys, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Jannis Kounellis, John Chamberlain, Dan Flavin, Bruce Nauman, Richard Tuttle, Walter De Maria werden diese Erweiterungen des traditionellen Kunstbegriffs sichtbar.

Als Weiterführung der richtungweisenden Positionen der Neo-Avantgarde lassen sich Künstlinnen und Künstler der 1980er und 1990er Jahre beschreiben, von denen das Museum Brandhorst zentrale Arbeiten und Werkkomplexe besitzt. Die unheimliche Seite der westlichen Pop- und Alltagskultur wird von Mike Kelley, Katharina Fritsch, Louise Lawler, Jeff Koons, Martin Kippenberger, Cady Noland oder Robert Gober analysiert. Sie zeigen in ihren Werken eine verstärkte Psychologisierung des Formenvokabulars und eine Archäologie der sozialen Implikationen unserer Gegenstandswelt.

CY TWOMBLY UND ANDY WARHOL

Eine herausragende Rolle im Museum Brandhorst nimmt das Werk von Cy Twombly ein. Mit über 170 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien besitzt das Museum – neben der Twombly Gallery im texanischen Houston – die größte Sammlung seiner Kunst weltweit. Auf unnachahmliche Weise verschränken sich in Cy Twomblys Werk Einflüsse der europäischen Moderne (Kandinsky, Klee) und der heroischen amerikanischen Nachkriegskunst (Pollock, De Kooning). Dabei gelingt es ihm, die mediterrane Welt antiker Mythen in die Gegenwart zu übersetzen, wobei er gerade das Beiläufige und Untergründige ins Zentrum rückt.

Gerade der Wechsel zwischen Sensibilität und Vulgarität, filigraner Technik und Expressivität macht den Reiz und die Spannung seiner Arbeiten aus. Twomblys poetischem, zuweilen auch als provokant empfundenem Schaffen ist das gesamte Obergeschoß im Museum Brandhorst gewidmet. Seinem monumentalem Werkzyklus „Lepanto” (2001), bestehend aus zwölf Bildern, ist dauerhaft ein zentraler Saal des Museums vorbehalten, der nach Wünschen des Künstlers gestaltet wurde. Ursprünglich für die Venedig Biennale im Jahr 2001 entstanden, lässt Twombly in seiner Schlachten-Darstellung die malerische Tradition von Tizian, Turner bis hin zu Claude Monets späten Seerosen-Bildern Revue passieren.

Mit über 100 Werken bewahrt das Museum Brandhorst zudem eine der weltweit bedeutendsten Warhol-Sammlungen auf. Beginnend mit frühen Zeichnungen, die sich noch an Warhols Beschäftigung als Werbegrafiker orientieren, spannt die Sammlung einen retrospektiven Bogen von seinen ersten Siebdrucken, über Ikonen der 1960er Jahre wie Marylin, Triple Elvis und Mustard Race Riot, bis hin zu zentralen Bildserien seines Spätwerks. Mit der gezielten Vermarktung von Starporträts avancierte Warhol in den 1970er Jahren zum „Hofmaler“ der Kunst- und Modewelt. Daneben setzte er sich intensiv mit Abstraktion auseinander: In Shadow Paintings, Camouflage Paintings den Oxidation oder Piss Paintings, in denen er die expressionistische Veräußerlichung des Künstlers ironisiert. Dass Andy Warhol – der Mitbegründer und wohl prominenteste Vertreter der Pop Art, der die Grenze zwischen Alltags- und Hochkunst wie kein anderer verschwimmen ließ – mit einem so umfassenden Konvolut an Werken im Museum Brandhorst vertreten ist, zeugt von der Stärke der Sammlung, der Konzentration auf eine ebenso ausgewählte wie bedeutende Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

DAS MUSEUM BRANDHORST IM KUNSTAREAL MÜNCHEN

Das markante Gebäude von dem Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton fällt bereits durch seine mit 36.000 Keramikstäben in 23 verschiedenen Farben verkleidete Fassade auf. Es ist damit zu einem echten Blickfang in der lebendigen, von Museen, Universitäten und Galerien geprägten Maxvorstadt geworden. Städtebaulich fügt sich das Museum nordöstlich in das Kunstareal ein und nimmt historisch geprägte Gegebenheiten auf. Zum einen folgt der Bau des Architekturbüros Sauerbruch Hutton der Anlage eines Flügels der ehemaligen Türkenkaserne. Zum anderen reagiert der Kopfbau an der Ecke von Türken- und Theresienstraße in seinem Volumen und seiner ausgesprochenen Leichtigkeit sowie seiner filigranen Struktur auf den Wohnkomplex von Sep Ruf aus den 1950er Jahren gegenüber. Die Keramikstäbe der Fassade greifen die Farbpalette der sie umgebenden Bebauung auf und betten das Gebäude somit harmonisch in dessen Umfeld ein. Die einladende und abwechslungsreiche Fassade findet ihr Gegenstück in der Gestaltung der Raumabfolgen im Inneren.

Es variieren verschiedene Typologien von Galerieräumen, von intimen Kabinetten, die den Charakter der Kunstbetrachtung in Privaträumen nachvollziehen, bis hin zu großzügigen Sälen, die einigen der prominentesten Werke Raum verschaffen. Dass möglichst ideale Bedingungen für die Betrachtung von Kunst im Zentrum der architektonischen Überlegungen standen, spiegelt sich auch in der Entscheidung, einen Großteil der Räume des Museums mit Tageslicht auszustatten.

DIE UDO UND ANETTE BRANDHORST STIFTUNG

1971 begann das Ehepaar Brandhorst gemeinsam Kunst zu erwerben. Den Anfang bildeten Werke der Klassischen Moderne von Künstlern wie Joan Miró, Pablo Picasso oder Kasimir Malewitsch. Doch bald schon wandte sich das Sammlerehepaar der Periode der jüngsten Kunstgeschichte zu. 1993 wurde eine Stiftung zur Förderung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts gegründet, an die es seine Sammlung überschrieben hat. Um die Udo und Anette Brandhorst Stiftung dauerhaft an München zu binden, hat der Freistaat Bayern sich verpflichtet das Museum Brandhorst zu errichten. In der Traditionslinie der nach Peggy Guggenheim oder Peter und Irene Ludwig benannten Sammlermuseen in New York und Köln wurde schließlich 2009 das Museum Brandhorst eröffnet. Seitdem sind die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verantwortlich für die Pflege, Erforschung und Präsentation der Sammlung.
Die 1993 gegründete Stiftung Brandhorst ist eine rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München. Sie untersteht der Aufsicht der Regierung von Oberbayern. Stiftungszweck ist die Förderung, Sammlung und öffentliche Präsentation von moderner Kunst. Mit einem fest angelegten Stiftungskapital stehen langfristig finanzielle Mittel für die programmatische Weiterentwicklung der Sammlung zur Verfügung.

NEUANKÄUFE DER UDO UND ANETTE BRANDHORST STIFTUNG

Das Museum Brandhorst ist kein abgeschlossenes, statisches Sammlermuseum. Vielmehr verfügt die Udo und Anette Brandhorst Stiftung über ein beträchtliches Vermögen, dessen jährliche Kapitalerträge für Kunstankäufe zur Verfügung stehen. So konnten im Zuge einer Sammlungsoffensive in den letzten Jahren programmatisch aktuelle Malerei-Positionen angekauft werden, die sich in produktiver Reibung mit der zeitgenössischen Massenkultur und den vorherrschenden medialen Bedingungen entwickelt haben. Ausgehend von den reichen Beständen an Werken von Andy Warhol, Sigmar Polke oder Christopher Wool konnten zukunftsweisende Werkgruppen von Albert Oehlen, Charline von Heyl, Laura Owens, R.H. Quaytman, Jacqueline Humphries, Michael Krebber, Seth Price, Guyton/Walker, Kerstin Brätsch und Josh Smith erworben werden – Künstlerinnen und Künstler, die den internationalen Malereidiskurs der letzten Jahre maßgeblich geprägt haben.

http://www.museum-brandhorst.de

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